Mit Vertrauen ins neue Jahr starten

Gedanken zum Spruch für den Neujahrstag

 

Der Jahreswechsel ist eine sensible Zeit. Steht der Silvesterabend vor allem unter dem Gedanken einer Rückschau auf das alte Jahr, wird am Neujahrstag das neue in den Blick genommen. Wobei es zu diesem einstweilen kaum mehr zu sagen gibt, als daß wir es mit guten Wünschen und Hoffnungen begrüßen. Das Sensible beim Jahreswechsel: Jeder weiß, im alten Jahr ist manches, aber bei weitem nicht alles gut gelaufen. Und nun gilt es damit klarzukommen. Das neue Jahr dagegen ist wie ein unbeschriebenes Blatt, zu den guten Wünschen und den Hoffnungen gesellen sich auch Unsicherheiten und Ängste.

In diese Gemengelage hinein erreicht uns der Spruch für den Neujahrstag: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“ (Hebr. 13,8). Ein Spruch, der Mut machen will, in Unsicherheiten und auch gegen Ängste zu bestehen. Die Botschaft lautet: Jesus Christus war bislang mit euch, er ist es auch jetzt und wird es genauso morgen sei – und weit über das Morgen hinaus: bis in alle Ewigkeit.

Mit diesem Gedanken hat sich der unbekannte Autor dieses Spruchs und des ganzen Hebräerbriefs schon an die frühen Christen gewandt, mit diesem Gedanken kann er auch uns erreichen, egal, wie unsere Lage auch im Einzelnen beschaffen sein mag. Denn dieser Zuspruch gilt zum einen in allen Lebenslagen. Zum anderen gilt er voraussetzungslos.

Natürlich: Die Leser des Hebräerbriefs werden in diesem durchaus zu einem Lebenswandel aus dem Geist des Glaubens heraus aufgefordert. Und das heißt, es gelten dessen Gebote und Regeln. Sie gelten gestern, heute und in Ewigkeit. Aber mehr noch wird den Brieflesern der Glaube als Quelle der Zuversicht angeboten:  Er „stärkt die müden Hände und die wankenden Knie“, wie es im Kapitel zuvor heißt (13,12). Er stärkt alle die, die der Stärkung bedürfen – woher immer sie auch kommen mögen. Er stärkt sie, indem er den Blick auf Jesus Christus lenkt: Wer sich ihm bislang anvertraut hat, der konnte bislang bestehen. Wer sich ihm jetzt anvertraut, der wird im Hier und Jetzt bestehen. Und wer auch in Zukunft auf ihn vertraut, dem braucht vor der Zukunft nicht bange sein. Das galt schon für die frühen Christen. Und das gilt für uns heute. Gerade am Neujahrstag ist es gut, dessen vergewissert zu werden.


Pfarrer Dr. Achim Reis